Porno Superstar – Nanami (2011)

Der Name ist Programm:

Die einzige Freude im Leben des jungfräulichen Yamashitas besteht darin, Hikaru, dem Helden der Schwulenpornobranche, zu huldigen. Als er ihn unvermittelt auf der Straße über den Weg läuft, kann er sein Glück kaum fassen! Prompt übernimmt das lose Mundwerk Yamashitas die Kontrolle über den Verstand… ob das gut gehen kann?

Nun. Es gibt solche Yaoi-Manga, und es gibt solche. Solche, die mit einer gesunden Portion beziehungsrelevanter Tragweite unter den Charakteren spielen, und solche, die in ein stereotypes Fettnäpfchen nach dem anderen treten. Porno Superstar gehört zu letzterem. Mangaka Nanami nutzt eine an sich komödiantisch einladende Geschichte dazu, in Klischeefallen zu rennen, die sich leicht vermeiden ließen. Denn dieser Manga kann als Sinnbild dessen gesehen werden, warum Yaoi allgemein einen solch schweren Stand abseits der Fujoshi-/Fudanshi-Szene haben.

Porno Superstar stürzt sich Hals über Kopf in altbekannte Genremuster, in denen die klassische Einteilung in Uke/Seme nur den Startschuss gibt. Was folgt ist eine Geschichte von Misshandlung, Erpressung und Rücksichtslosigkeit, die unbedingt auf eine witzige Schiene gebracht werden will, zwecks einseitiger Charaktere aber ins Leere läuft und kaum mehr als ein Schmunzeln in, an sich lustigen Situationen erzeugt. Auch wenn die Initiative hier von Yamashita ausgeht, der so ziemlich alles für sein leuchtendes Pornosternchen Hikaru (Asaoka) tun würde, so werden doch die folgenden Handlungen seitens Asaokas zu sehr bagatellisiert. Dass in solchen Szenarien durchaus viel Raum für Feinheiten (und Freiheiten) bleibt, hat bereits Ootsuki Miu mit Calling bewiesen, in dem sich ebenfalls ein Pornodarsteller in einen einfach gestrickten und regulären Arbeiter verliebt. Ootsuki legt jedoch viel mehr Wert auf eine tiefgreifende Entwicklung ihrer beiden Charaktere, als es Nanami auch nur ansatzweise zu tun vermag. Denn hier dreht sich leider alles nur um die einseitige Beziehung der beiden, die absolut ohne Mehrwert für den Leser bleibt. Mit einem aus der Luft gegriffenen Ende, das die Geschichte zu schnell zu einem Abschluss führt, bleibt das vermutlich nichts, als ein einmaliges Leseerlebnis. Dabei werden doch so manche genrerelevanten Themen angeschnitten, auf deren konzentrierte Ausführung aber leider verzichtet. Die Backwoundstory Yamashitas hätte dafür zur Genüge an Angriffsfläche geboten.

Was sich dem Manga positiv anmerken lässt, ist der Artstyle. Zwar ist hier nichts überschwänglich in Szene gesetzt, aber das Charakterdesign geht völlig in Ordnung. Yamashita verkörpert den typisch introvertierten Uke-type, dessen große Augen wohl sein unendliches Leid verdeutlichen sollen, aber auch auch dafür schon zu fluffy gezeichnet ist, als dass man ihn ernst nehmen könnte. Als Eyecandy dient hingegen Asaoka, der diesen raunchy  Typus perfekt bedient und allein optisch schon die Dominanz ausstrahlt. Überhaupt scheint Nanami dieser Typ zeichnerisch eher zu liegen, was sich auch in einer Kurzgeschichte kenntlich macht:

Der beiliegende Oneshot mind Flow (ebenfalls von Nanami) ist optisch etwas weniger fein, wobei hier auch gesagt werden muss, dass es ursprünglich ein Doujinshi war. Allerdings beweist die Mangaka in diesem zumindest storymäßig mehr Gefühl, als es bei der Hauptgeschichte selbst der Fall ist. Aber das mag am vergleichsweise ernsteren Ton des Oneshots liegen, der seine Handlung konsequent verfolgt.

Porno Superstar bietet eine Prämisse, die für ein witziges Leseerlebnis hätte stehen können. Leider ist es kein Funread. Dafür werden zu viele angeschnittene, wichtige Fragen einer simplen Erpressergeschichte geopfert, die zuweilen so infantil daherkommt, das einem die paar wenigen Situationslacher auch nur wenig abringen können. Die Idee dahinter hätte sicherlich für einige spaßige Momente sorgen können, wäre auf die beiden Hauptcharaktere mehr Wert gelegt worden, als diese platte schwarz/weiß-Zeichnungen.

4,5/10

Porno-Superstar---Nanami-(2011)
© Nanami / Frontier Works / Tokyopop

Porno Superstar
Autor: Nanami
Jahr: 2011
Bände: 1 (abgeschlossen)
Verlag: Tokyopop
Leseprobe

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Veröffentlicht von

Schlopsi

Leidenschaftliche Film- und Serienschauerin, dazu noch ungemein gaming- und musikvernarrt. Seit geraumer Zeit steht auch die japanische Unterhaltungsindustrie hoch im Kurs. Durchtrieben von bissigem Humor, aber eigentlich auch ganz nett.

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