Diener des Mondes #1-2 – Kikuta Yui (2013)

Ich bin ja immer auf der Suche nach knackigen Geschichten, die in weniger als fünf Bänden erzählt sind. Und da die Buchhändlerin meines Vertrauens meinte, dass Diener des Mondes etwas für mich sein könnte, fiel die Wahl nicht schwer, zumal auch gleich beide Bände erworben werden konnten. Stürzen wir uns also in das Treiben der übernatürlichen Personalfirma T.M. Job!

Für die Personenvermittlungsfirma T.M. Job ist es nur ein weiteres Auftragsangebot, für den übernatürlich begabten Sozon die Schwelle zum Beitritt in die Untergrundorganisation: Er soll einen Werwolf rekrutieren! Nichtsahnend, dass es dieser bereits seinen Vorgängern nicht so leicht gestaltete. Doch mit Hilfe seiner Fähigkeiten, einem Informationsterroristen und einem ritterlichen Kämpfer an der Seite stellt sich Sozon dieser Aufgabe. Bei Erfolg winkt ihm schließlich ein geschütztes Leben im Untergrund…

Was über einen süffisanten Unterton in der Inhaltsangabe verfügt, liest sich völlig anders als erwartet. Und das ist gut. Denn was zunächst als verwegener Auftrag Sozons beginnt, um den Werwolf Virage für T.M. Job anzuwerben, entwickelt sich zu einer herzerwärmenden Geschichte voller Leid und Sehnsucht, Schmerz und Hoffnung, Kameradschaft und Vertrauen. Diener des Mondes bietet eine emotionsgeladene und tragische Geschichte, die mit ihren Gefühlen nicht geizt. Vielleicht schießt Mangaka Kikuta Yui damit etwas über das Ziel hinaus, da nahezu jeder Charakter im Verlauf der Handlung so sein Päckchen zu schleppen hat und die Stimmung peu à peu trister wird… Andererseits wird dem mit Finesse innerhalb der Darstellung der einzelnen Beziehungen untereinander Rechnung getragen. Denn trotz des platzbedingten Umreißens der Nebencharaktere wie dem gar nicht mal so ritterlichen Luis oder dem rebellischen Yamada, werden diese dem Leser so nahe wie möglich gebracht. Hilfreich sind dafür die vielen symbolisch aufgeladenen Panels, die vermehrt auf die Stimmung als auf eine Erzählung bauen und so mehr auszudrücken vermögen. Und das ist diesem Manga hoch anzurechnen: Es besteht keinerlei Bedarf, alles in Worte fassen zu müssen. Manchmal sind es nur Blicke oder reflexartige Reaktionen, die den kleinen Andeutungen ihre Bedeutungen verleihen, wie es gerade zwischen Sozon und Virage geschieht. Dabei ist es nicht immer subtil gehalten, allerdings entspricht das eher der Ausnahme und jeder lässt sich von seinen Gefühlen treiben.

Über das Setting des Mangas wird nicht viel verraten. Die Kleidung erinnert an Steampunk, während die technische Ausrüstung moderner anmutet, der Rest aber wieder stark an die viktorianische Ära Englands erinnert, und somit doch auf vergangene Zeiten schließen lässt. Dazu bietet der kleine unscheinbare Kiri-kun mit seinem Hintergrund noch einige Andeutungen, was diesen Eindruck bestätigen dürfte. Es ist ein wildes Potpourri an Style und Technik, was sich erstaunlicherweise nicht beißt und sich gleichzeitig von sonst typischen Settings dieser Art in gesundem Maße abhebt.

Die Geschichte selbst ist in Ordnung. So besteht der erste Band hauptsächlich aus einem episodenhaften Zusammensuchen neuer Mitarbeiter bei T.M. Job, was sich auch ein wenig in den zweiten Band erstreckt, ehe sich schließlich auf den Hauptcharakter Sozon und dessen Hintergrundgeschichte konzentriert wird. Es mag zwar nichts neues sein, aber die Art und Weise wie es präsentiert wird, geht durchs Herz. Dabei werden, wie schon erwähnt, auch sämtliche Register dramaturgischer Erzählkunst gezogen, was dem Ende schon fast etwas zynisches verleiht, passt es sich der vorangegangen Handlung zumindest in Anbetracht der Stimmung nicht unmittelbar ein. Da hätte ruhig der eine Schritt weiter gegangen werden können, wie es eigentlich auch von der Managaka laut Nachwort angedacht war und so etwas zwanghaft wirkt.
Das Einzig Bedauernswertete an Diener des Mondes jedoch, ist der geringe Umfang von zwei Bänden. Es lässt sich nicht vermeiden, dass in der Knappheit manche Handlungen und Figuren zu kurz kommen, aber diese Geschichte mit all ihren Details hätte noch gut zwei Bände mehr vertragen können. Es ist so schade zu sehen, wie sich eine schöne Handlung so abhetzen muss und an interessanten Stellen nur an der Oberfläche kratzen kann. Hier steckt so viel angedeutetes drin, was mit den komplexen Figurengebilden, dem wundervollen Charakterdesign und dem Setting nach viel mehr ausufernder Freiheit drängt, als der Geschichte schlussendlich eingeräumt wird. Gerade die bedeutenden Szenen werden zu hektisch abgehandelt, was der angestrebten Tragik nicht vollends ausreicht. Auch wenn sich alles nötige nachvollziehen lässt, so wäre ein wenig mehr Ausführlichkeit zumindest in den Schlüsselszenen sichtlich wünschenswert. So dominiert der episodenhafte Charakter des Manga, was ihm nicht gerecht wird.

Der Zeichenstil ist großartig, wenngleich nicht ganz ohne Schwächen. So ist gerade Virage nicht immer glücklich getroffen, seine Mimik wirkt an manchen Stellen wie versteinert. Allerdings sind das nur kleine Mängel, die das Lesegefühl nicht beeinträchtigen. Denn das allgemeine Charakterdesign ist vorzüglich und divers gestaltet (man vergleiche bspw. Sozon, Luis und den Technikprofi Guy). Ein wahrer Augenschmaus sind dabei die an Steampunkelemente erinnernden Kleidungsstile. Von den Accessoires wie den Brillen, hin zu den Mänteln und Halsbändern: Hier lohnt sich ein aufmerksamer Blick auf die Details, welche eine ganze Menge über das Setting verraten, ohne es gleich in Worte fassen zu müssen. Noch dazu erhält man das Gefühl, dass die Optik der Figuren wie ein Spiegel ihrer inneren Wesen wirkt und diese präzise getroffen werden. Hierauf scheint Kikuta Yui ganz besonderen Wert zu legen, was sich visuell belohnt macht.
Ein weiteres Schmankerl ist die großzügige Panelgestaltung: Oft gehen diese fließend ineinander über oder werden von groß angelegten Portraits miteinander verbunden. Dabei ist immer eine klare Struktur vorgegeben. Ein angenehmes Lesegefühl resultiert daraus.

Diener des Mondes mag vielleicht wie eine seichte Fantasygeschichte anmuten, beweist jedoch viel mehr Tragik, als sich einem Zweibänder dieser Tragweite zutrauen lässt. Auch wenn sich der hektische Charakter aufgrund der Limitierung nicht abstreiten lässt, so sollte doch jeder beherzt zugreifen, der den Fantasyaspekt nicht zu ausufernd gestaltet mag und mehr Wert auf die Darstellung der Charaktere, als den Schauplätzen dieser fiktiven Welt legt.

PS: Ich mochte es sehr, wie sich der Titel Diener des Mondes, respektive Hoshi no Ame Tsuki no Gebuki dem Leser erst völlig erschließt, wenn man das Nachwort erreicht. Eine hübsche kleine Aufmerksamkeit, die einen zum Ende hin nochmal schmunzeln lässt.

7/10

Diener des Mondes [Hoshi no Ame Tsuki no Geboku]
Autor: Kikuta Yui
Jahr: 2013
Bände: 2 (abgeschlossen)
Verlag: Tokyopop

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Veröffentlicht von

Schlopsi

Leidenschaftliche Film- und Serienschauerin, dazu noch ungemein gaming- und musikvernarrt. Seit geraumer Zeit steht auch die japanische Unterhaltungsindustrie hoch im Kurs. Durchtrieben von bissigem Humor, aber eigentlich auch ganz nett.

5 Gedanken zu „Diener des Mondes #1-2 – Kikuta Yui (2013)“

  1. Hi! Deiner Beurteilung des Mangas kann ich nur zustimmen! Er ist toll mit ein paar (kleineren) Abstrichen – vor allem der Kürze von zwei Bänden und der daraus resultierenden knappen Erzählweise gerade zum Ende hin. Bin gespannt, welche Mangas du noch vorstellen wirst^^ Liebe Grüße!

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    1. Hier wäre noch so viel rauszuholen gewesen, das ist schon etwas schade. Aber trotzdem ist das wichtigste erzählt. Es gibt nix zu bereuen, das ist dann doch die Hauptsache.
      Ohje. Ich habe hier extrem viele Yaoi-Einzelbände (und ein paar Serien) rumfliegen, dass ich hoffe auch in Zukunft eine gute Balance zu finden, damit es nicht zu einseitig wird. *hust* ^^
      Einen Titel habe ich bei dir übrigens auch schon erhascht (Twittering Birds Never Fly), aber da weiß ich noch nicht, wann dazu etwas kommt. Die Reihe liegt zwar tatsächlich in Printform hier, aber ich scheue mich sehr vor unabgeschlossenen Serien. *seufz*
      Falls du auf MyAnimeList aktiv sein solltest, findest du mich übrigens hier: https://myanimelist.net/profile/Schlopsi Da kannst du ruhig stöbern und meinen Geschmack analysieren. Oder mich stalken. Oder beides. Oder Empfehlungen geben. Ich bin für ziemlich alles offen, solange es keine Endlosreihe über 50 Bände ist. *lach*

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      1. MyAnimeList werde ich mir mal angucken – bin da (noch) nicht aktiv^^
        Yaoi hab ich auch einiges auf Lager 😀 Wobei es da häufig halt schon so ist, dass vieles irgendwie Mittelmaß ist – so nach dem Motto: „Nett für Zwischendurch, aber …“
        Twittering Birds in Prinform? Jetzt bin ich ein bisschen neidisch … 😉 Den ersten Band hab ich nirgends mehr gefunden – gerade auf Amazon geguckt: fast 65 € … Menno … Band 2 gibt’s mittlerweile auch nicht mehr, dafür kann man den dritten Band schon vorbestellen! Na ja, wird wohl wieder in elektronischer Form von mir gekauft werden, wenn er erscheint. Ich freu mich trotzdem schon drauf 😀

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      2. Ich muss dich allerdings warnen: Duch MAL öffnet sich ein völlig neues Tor, das durchaus zeitraubend sein könnte/ist. 😀

        Das ist leider wahr. Allerdings gibt es auch einiges an gutem zu entdecken, wenn man bereit ist, auch zu suchen. Aus dem Stehgreif könnte ich dir z.B. Ringo Yukis „Tamayura“ oder Ootsuki Mius „Calling“ empfehlen (allerdings beides nicht lizensiert). Ersteres hat eine wunderbare Story und zweiteres besticht durch eine überraschend sensitive Beziehungsgeschichte, die nach lesen des Klappentexts so nicht erwartet wird. Garantiert nicht. 😉

        „Twittering Birds…“ habe ich mir aus Amerika importiert. Juné vertreibt einiges aus der Szene zu ganz okayen Preisen (12,95$ print). Allerdings ist der Versand mit 20$ etwas happig, da sollte man sich erst ein paar Bände zusammensuchen, damit es sicht rentiert (und Glück mit dem Zoll haben). Die haben übrigens gerade einen Sale in ihrer gesamten Digitalabteilung (4,95$ pro!), falls du die restlichen zwei Bände noch aufstöcken möchstest… https://junemanga.com/collections/vendors?q=Kou%20Yoneda
        🙂
        Ich freue mich auch schon mächtig darauf. 🙂

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