Trau Dich #1-2 – Kai Asou (2010)

Was gibt es passenderes um einen Blog einzuweihen, als mit einer kleinen Serie, die das Leserherz höher schlagen lässt?

Trau Dich von Kai Asou erzählt in zwei Bänden die Geschichte von Osawa, der als alleinerziehender Vater nicht nur finanzielle Sorgen, sondern auch elterliche Pflichten mit sich trägt. Neben seinem Job muss auch die Erziehung seiner kleinen Tochter Chizu in der strengen Tagesplanung ihren Platz finden. Eines Tages macht sich der Stammkunde des Restaurants Yoshioka, in dem Osawa arbeitet, an diesen ran und bietet ihm nebenbei auch seine Hilfe an. Dabei macht es der offen schwule Stammgast dem heterosexuellen Osawa gar nicht so leicht, doch seine Antwort ist eindeutig…

Diese Geschichte entzückt mit einem langsamen Aufbau, der viel Wert auf seine Charaktere legt. Protagonist ist der Restaurantmitarbeiter Osawa, der aufgrund seiner Arbeit nur wenig Zeit mit seiner Tochter verbringen kann, dennoch alle Mühen auf sich nimmt, um ihr in der wenigen Zeit die er zur Verfügung hat, ein guter Vater zu sein. Ihm gegenüber steht Yoshioka, welcher nach Ansicht Osawas (und seines Chefs) ein Larifarileben führt und häufig über seine misslungenen Beziehungen jammert, dabei aber auch oft genug mit seinen Ex-Freunden im Restaurant aufschlägt – ob freiwillig oder unfreiwillig. Unterschiedlicher könnten die beiden kaum sein, und doch entwickeln sich die beiden im Laufe der Geschichte zu zwei liebenswürdigen Charakteren, die sich gegenseitig stützen.

Herausragend an Trau Dich ist das langsame Pacing der Geschichte. Dies nutzt Mangaka Kai Asou, um die Beziehung zwischen den beiden Männern nachvollziehbar zu gestalten. Der deutsche Titel ist dabei äußerst geschickt gewählt, impliziert er doch genau diesen Prozess, den Osawa durchläuft. Dabei geht es – trotz der Zugehörigkeit des Mangas zum Yaoi-Genre – nicht vorrangig um eine sexuelle Beziehung, sondern überhaupt erst um den Schritt, die Hilfe von anderen anzunehmen. Auch wenn im Restaurant schon Verlass auf seine Kollegen ist, so ist es doch etwas ganz anderes, sich auf einen anderen Menschen einzulassen – und dessen angebotene Hilfe auch anzunehmen. Vor allem, wenn es von so einem in den Tag hineinlebenden Typen wie Yoshioka kommt, der alles anmacht was nicht bei drei auf den Bäumen ist… Und so begleitet der Leser Osawa bei seiner herzerwärmenden Entwicklung, die nur zögerlich voranschreitet und förmlich danach ruft, sich zu trauen, diesen Schritt zu gehen.

Wunderbar gelöst ist dabei auch die Eingliederung Chizus in die Handlung. Sie wird keineswegs als Plotballast mitgeführt, sondern als Kind, das unter der Scheidung der Eltern leidet. Auch wenn sie es nicht zeigt, so mimt sie doch die starke Tochter und tut ebenso alles in ihrer Macht stehende, um ihren Vater zu unterstützen. Gemeinsam meistern sie ihren Alltag, der mitnichten immer leicht ist. Dennoch schafft Kai Asou eine wohlige Atmosphäre und legt mal offen, mal verborgen, die Reibungspunkte einer gleichgeschlechtlichen Beziehung nahe, impliziert dabei gesellschaftliche Vorurteile und wischt diese mit einer sentimentalen als auch erwachsenen Art wieder fort. Erstaunlich verantwortungsbewusst gibt sich dabei Yoshioka, der mit seinem herzlichen Auftreten häufig zum Schmunzeln einlädt und vielleicht gerade in Bezug auf seine Offenheit etwas stereotyp dargestellt, aber keineswegs als platt gelten kann. Er ist ein liebenswürdiger Kerl, der in der Vergangenheit etwas zu oft auf die Nase gefallen ist, aber schnell merkt, wie sehr er jemanden braucht, der den leeren Platz in seinem Herzen füllt. Und dabei ist es nicht nur Osawa, in den er sich nach und nach verliebt, sondern auch die aufmerksame Chizu, welche ihm beide die Möglichkeit geben, innerlich zur Ruhe zu kommen.

Obwohl der Zeichenstil nicht herausragend ist, so habe ich mich doch häufig dabei ertappt, mir die einzelnen Panels nochmal genauer anzuschauen. Die Strichführung ist sauber, viel interessanter ist jedoch, wie viel Emotion in den Bildern steckt. Jede Gefühlsregung der Protagonisten lässt sich allein in den Gesichtern lesen. Asou beweist großes Geschick mit der Strukturierung der einzelnen Seiten und legt ihrer langsamen Erzählart eine saubere Seitenführung zugrunde, die dazu einlädt, den Manga nicht mehr aus der Hand zu legen. Auch etwaige Sexszenen werden nicht überhastet, sondern nahezu genussvoll unaufgeregt dargestellt und legen mehr Wert auf das Gefühl, als auf die Darstellung selbst. Gerade hier verbirgt sich der erwachsene Reiz der Geschichte, welcher die Entwicklung der Charaktere und die Sinnlichkeit hervorhebt und auf eine reißerische Darstellung verzichtet.

Trau Dich von Kai Asou bietet eine unaufgeregte Geschichte, die ihre lockeren Momente bietet, in ihrem Gesamtton jedoch deutlich erwachsene Töne anschlägt und sich um eine weniger stereotype Yaoi-Hanldung bemüht. Dies gelingt auch wunderbar, stehen hier doch ganz klar die Charaktere im Vordergrund, bei denen sich zunächst aus einer aus der Not geborenen einseitigen Zweckbeziehung langsam aber sicher mehr zu entwickeln scheint. Wenn sich Osawa denn auf die Hilfe Yoshiokas einlassen kann und will

10*/10

Trau Dich [Sorenari ni Shinken nan desu.]
Autor: Kai Asou
Jahr: 2010
Bände: 2 (abgeschlossen)
Verlag: Kazé Manga

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Veröffentlicht von

Schlopsi

Leidenschaftliche Film- und Serienschauerin, dazu noch ungemein gaming- und musikvernarrt. Seit geraumer Zeit steht auch die japanische Unterhaltungsindustrie hoch im Kurs. Durchtrieben von bissigem Humor, aber eigentlich auch ganz nett.

6 Gedanken zu „Trau Dich #1-2 – Kai Asou (2010)“

    1. Der Zuckerschock kommt erst nach der Lektüre. Ich kann es bei dir noch nicht ganz einschätzen, da er zwar glatt erscheint, daraus aber das beste macht. Wird dich bestimmt weichklopfen.

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  1. Der Manga ist toll, da bin ich ganz deiner Meinung! Gerade die langsame Entwicklung der Geschichte, insbesondere der Beziehung zwischen den Hauptpersonen, unterscheidet ihn stark von den vielen anderen Vertreter des Genres. Jetzt, nach dem Lesen deiner Rezension, hätte ich glatt Lust, die beiden Bände nochmal zu lesen. 😀

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